Soja: eine Bohne - tausend Geschichen - Teil4

Mein lieber Herr Gesangsverein. Kratzt man oberflächlich am Thema Soja & Gesundheit verlässt einem über kurz oder lang der Mut. Für die Einen ist Soja ein kleines Wundermittel (Schutz vor Krebs, Herzerkrankungen, Wechseljahrsbeschwerden...). Für Andere ist die Sojabohne der größte gesundheitliche Alptraum aller Zeiten, der Männer unfruchtbar werden lässt, Allergien auslöst und hoch krebsfördernd ist. Völlig abgefahren!

Und Frage Nr. 4 schwebt immer noch im Raum: "Ist Soja nun gut oder schlecht für mich?

The answer is undoubtedly complex and may ultimately depend on age, health status, level of consumption, and even the composition of an individual’s intestinal microflora.1

Und genauso ist es. Komplex. Schon mal vorweggeschickt: wir werden diese Frage auch in diesem Artikel nicht zur vollsten Zufriedenheit aller klären können, ooooh! Aber zumindest können wir danach unser eigenes knallhartes Urteil fällen oder im besten Falle irgendwo dazwischen landen, aaaah!

Was ist denn nun eigentlich los? Um auch nur annähernd einen Fuß in diese Tür zu bekommen führt kein Weg daran vorbei sowohl zitierte Studien als auch weiteres Forschungsmaterial selbst unter die Lupe zu nehmen. Denn nach eingehendem Filtern und Durchforsten wird immer deutlicher, dass viele in gängigen Artikeln zitierte Studien veraltet, bereits dementiert, unaussagekräftig (zu geringe Teilnehmerzahl, unterschiedliche Voraussetzungen) oder an Tieren (Mäuse, Ratten, Affen) durchgeführt wurden, die ganz anders auf Soja reagieren als der Mensch.2 In manchen Studien wurden außerdem Mengen verabreicht, die außerhalb des Labors so nicht erreicht werden. Hochdosiert können aber viele Stoffe schädlich sein, diese Aussagen liefern also nicht wirklich relevante Hinweise.

Man muss also ganz genau hinsehen. Die kontroversen Meinungsbilder werden hauptsächlich von den in der Sojabohne enthaltenen ISOFLAVONEN (auch Phytöstrogene genannt) verursacht. Diese pflanzlichen Inhaltsstoffe ähneln in ihrer chemischen Struktur dem menschlichen Hormon Östrogen und können eine hormonelle Wirkung entfalten.3 In diesem Zusammenhang werden verschiedene Folgen von Sojakonsum bei Krebs-, Schilddrüsen, sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Osteoporose und Fruchtbarkeit bei Männern und Frauen diskutiert.

Und was sagt die Forschung nun bisher?

Alle von mir gelesenen Studien findet ihr ganz unten bei den Quellen.

Und was sagt uns das nun? Es gibt erstens zu wenig Datenmaterial und Langzeitstudien, die eindeutig die Wirkung von Soja auf den Menschen belegen.

Es gibt zweitens auch bei Soja kein schwarz-weiß.

Soja ist weder ein Lebenselixier noch ein Teufelsbissen. Und drittens, die Menge macht das Gift. Man muss ja nicht gleich dreimal täglich Sojaschnitzel, Misosuppe und Edamame in rauen Mengen verspeisen!

Vor allem nicht zu stark verarbeitete Sojaprodukte können durchaus einen wertvollen Beitrag zu einer gesunden Ernährung leisten.

Soja ist frei von Cholesterol und eine hochwertige Eiweißquelle. Es enthält essentielle Aminosäuren, hat einen hohen Anteil an einfach und mehrfach ungesättigten Fettsäuren, beinhaltet Ballaststoffe, Kalium, Magnesium, Vitamin B1, B2, E und Folsäure.4

Was ich damit sagen möchte ist, dass ich in all den Studien, die ich gelesen habe, weder eindeutig positive noch aussagekräftig negative Auswirkungen von Soja auf den Menschen gefunden habe. Ich behaupte damit nicht, dass es nicht trotzdem Fälle gibt, wo sich Soja z.B. krebsmindernd bei asiatischen Frauen auswirkt oder in Zukunft eine Langzeitstudie doch entdeckt, dass zu viel Soja schlecht für die Schilddrüse ist. Wichtig finde ich auch mal hinter die Schlagzeilen zu schauen und aufmerksam zu sein.

Schlussfolgerung

Für mich ergeben sich nach stundenlanger verbissener Sucherei drei Erkenntnisse:

  1. Es ist ungeheuerlich schwierig an relevantes, qualitatives und aktuelles Datenmaterial zu kommen. Geholfen hat mir hierbei scholar.google
  2. Weder von Seiten der Wissenschaft noch von offiziellen Stellen erhält man eine klare Handlungsempfehlung, weil es bisher einfach keine eindeutigen Ergebnisse gibt.
  3. Soja ist nur ein Lebensmittel von unendlich vielen, die wir jeden Tag essen können. Wir sollten es weder über- noch unterschätzen und es als normales Nahrungsmittel behandeln. Nicht mehr und nicht weniger.

Anwort Nr. 4: In Maßen hat Soja viele positive Eigenschaften für den Menschen. Bei übermäßigem Verzehr oder bestimmten Vorerkrankungen kann es sich negativ auswirken.

Vielleicht keine sonderlich zufriedenstellende Antwort, aber ich kann's nun auch nicht ändern. Während ich gespannt in die Zukunft blicke verputze ich erst mal einen Sojapudding - weil er einfach vedammt lecker ist!

Quellen:

  1. (http://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0091302210000257)

  2. (http://ajcn.nutrition.org/content/94/5/1284.full)

  3. (https://de.wikipedia.org/wiki/Isoflavone#cite_note-5)

  4. (http://www.awi.bmlfuw.gv.at/fileadmin/download/sr107khp03rmi/SR107_Soja.pdf)

  5. Studien Brustkrebs:
  6. (https://www.hsph.harvard.edu/nutritionsource/2014/02/12/straight-talk-about-soy/)

  7. (https://nutritionj.biomedcentral.com/articles/10.1186/1475-2891-7-17)

  8. (https://academic.oup.com/carcin/article/23/9/1491/2608281/Adolescent-and-adult-soy-intake-and-risk-of-breast)

  9. (https://academic.oup.com/jnci/article/98/18/1275/2521754/Addressing-the-Soy-and-Breast-Cancer-Relationship)

  10. (https://academic.oup.com/jjco/article/44/3/282/842289/Soy-Intake-and-Breast-Cancer-Risk-An-Evaluation)

  11. (http://cebp.aacrjournals.org/content/13/11/1736.full-text.pdf)

  12. (https://www.krebsinformationsdienst.de/aktuelles/2012/news108.php)

  13. Studien Osteoporose:
  14. (http://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S1995764512600339)

  15. (http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3074428/)

  16. (http://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0378512211003203)

  17. (http://ajcn.nutrition.org/content/68/6/1358S.short)

  18. Studien Schilddrüse:
  19. (http://journal.frontiersin.org/article/10.3389/fendo.2012.00094/full)

  20. (http://online.liebertpub.com/doi/abs/10.1089/thy.2006.16.249)

  21. (http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.2903/j.efsa.2015.4246/epdf)

  22. Fruchtbarkeit bei Männer:
  23. (http://www.fertstert.org/article/S0015-0282(09)03594-8/pdf)

  24. (https://academic.oup.com/humrep/article/23/11/2584/2913898/Soy-food-and-isoflavone-intake-in-relation-to)

  25. Menstruation:
  26. (http://jn.nutrition.org/content/132/3/570S.full)