Soja: eine Bohne - tausend Geschichten - Teil 1

Es ist schon faszinierend wie sich an einer unscheinbaren Bohne die Geister scheiden. Da gibt es die Pro-Soja-Agrar-Lobby, die Anti-Soja-Umweltaktivisten, die Soja-Esser und die Soja-Gegner ohne bestimmten Grund. Die unterschiedlichen Motive und persönlichen Befindlichkeiten zur Sojabohne führen unweigerlich und ziemlich zuverlässig zu hitzigen Diskussionen.

  1. Soja - wird dafür nicht der ganze Regenwald gerodet?
  2. Wer weiß schon noch wo überall Soja drin ist?
  3. Das ist doch genmanipuliert oder?
  4. Und macht das nicht krank? Oder dann aus der anderen Ecke: Soja kann doch vor Krebs schützen nicht?

Puh! Ich muss zugeben, ich habe da auch nicht immer die passende Antwort parat. Aber das soll sich nun ändern. Es werde Licht im Soja-Wirrwarr.

Nr. 1: Zerstört Soja den Regenwald?

Bevor wir zum Regenwald kommen muss erst mal eine Größenordnung her. Wie viel von dem Zeug wird eigentlich angebaut und wo?

Die Sojabohne war 2016 mit 313 Millionen Tonnen1 nach Weizen und Mais die meistgehandeltste Nutzpflanze.

Zum Vergleich: 1960 betrug die Sojaernte 17 Millionen Tonnen. Allein für Soja wird weltweit eine Fläche von 1 Million Quadratkilometer bestellt, das entspricht einer Fläche von Frankreich, Deutschland, Belgien und den Niederlanden. Dieses Fleckchen Erde muss man erst mal haben.

Die 5 größten Sojaexporteure sind: USA, Brasilien, Argentinien, China und Indien. Daneben produzieren auch Paraguay, Kanada, Uruquay, Ukraine, Bolivien und Russland jede Menge Soja. Eigentlich kommt die Bohne aus Asien, aber das tropische Klima, die Verfügbarkeit (nach der Rodung) von verhältnismäßig viel Ackerland und billige Arbeitskräfte machen Südamerika zum idealen Platz für den Sojaanbau.

"Allein in Brasilien werden Jahr für Jahr 2,6 Millionen Hektar Wälder und Naturflächen vernichtet, um neue Äcker anzulegen."2

Nicht nur bei den großen Sojaländern wächst jährlich die Anbaufläche, auch in Deutschland hat sich die Fläche innerhalb von 2 Jahren von 5.000 Hektar auf 10.000 Hektar verdoppelt, Tendenz steigend.3

Der bundesweite Anbau spielt jedoch bisher nur eine kleine Rolle. Deutschland ist deshalb nach China und Mexiko der drittgrößte Soja-Importeur.4 Jede zweite Sojabohne, die in Deutschland importiert wird stammt aus Brasilien und damit aus ehemaligem Regenwaldgebiet.5

Der Bedarf an Soja ist enorm und wird auch noch weiter ansteigen. Die Auswirkungen der gesteigerten Nachfrage und der damit einhergehenden Zerstörung des Regenwaldes liegen auf der Hand:

  • Millionen von Tiere und Pflanzen verlieren ihren Lebensraum.
  • Die Bevölkerung wird oftmals gewaltsam vertrieben und verliert ihre Heimat. Ohne ihre Felder fehlt ihnen jegliche Lebensgrundlage.
  • Regenwälder entziehen der Atmosphäre CO2 und geben stattdessen Sauerstoff ab. Wird Regenwald abgeholzt, steigen große Mengen Kohlendioxid in die Atmosphäre, die vorher in den Wäldern gebunden waren. Abholzung von Regenwald trägt erheblich zur Klimaerwärmung bei (10-20%).
    Bildquelle: Abenteuer-Regenwald

  • Ohne Bäume fließt Regen einfach ab und wird nicht an die Atmosphäre zurückgegeben, es können sich keine Wolken mehr bilden. Darauf folgen Dürren und die Austrocknung von Flüssen - Wasserressourcen für Menschen und Tiere sind bedroht. Bildquelle: Abenteuer-Regenwald

  • Die dünne nährstoffreiche Erdschicht wird nach der Rodung schrittweise weggespült, zurück bleibt unfruchtbarer Boden. Eine Rückkehr des Regenwaldes ist schwer bis unmöglich.

An die Folgen der Regenwaldabholzung kann ich mich noch vage aus dem Biologieunterricht erinnern. Aber nicht nur der Regenwald in Brasilien ist betroffen, sondern auch Wälder, Savannen und Graslandgebiete in Bolivien, Uruguay, Argentinien und Paraguay geraten aufgrund des hohen Platzbedarfes für den Sojaanbau unter Druck.6

Antwort Nr. 1: Ja, Soja zerstört den Regenwald.

Auch wenn die Abholzung nicht mehr ganz so schnell voranschreitet wie zwischen 1995 und 2005 treiben Palmölplantagen, Holzgewinnung, Rinderfarmen und eben auch Sojaanbau die Zerstörung des Regenwaldes jedes Jahr voran.7 Das hört sich leider überhaupt nicht rosig an.

Was mich stutzen lässt ist: Wer zum Henker braucht eigentlich so viel Soja??

Mehr dazu im zweiten Teil.

Quellen: