Buntes für die Ewigkeit.

Mit Meer verbinde ich Urlaub, Freiheit, Natur, Unberührtheit, meilenweit nichts als Wasser und vielleicht ein paar Fische... Und dann gibt es da noch Plastik. Wait, what? Plastikverschmutzung an Stränden, yep, das hat man schon mal gesehen. Aber mitten im Ozean, im weiten Pazifik, in der Arktis?

Plastic has been found in the most remote areas, including Arctic ice and pristine mountain lakes, and in every zone of the water column in every single one of the world's oceans (Imhof et al. 2013).[1]

Mehrere Studien zwischen 2014 und 2016 belegen, dass sowohl die Arktis als auch die Grönlandsee eine ähnliche Dichte an Plastikteilchen aufweisen wie andere, viel stärker genutzte Teile der Weltmeere.[2][3] Menschen kommen in diese abgelegenen Ecken des Planeten nur selten, nur unseren Müll gibt es dort schon zu Hauf.[4]
Mikroplastik findet man außerdem eingeschlossen im schwimmenden Meereis. Schmilzt das Eis, setzt es die Plastikpartikel frei und die Konfettiparty beginnt.[5] Hört sich nett an, ist es aber nicht.

Wo genau aber schwimmen die ganzen Plastikkrümel?
Nur ein Prozent des Plastiks ist an der Wasseroberfläche zu finden, der Rest schwimmt irgendwo dazwischen oder liegt auf dem Meeresgrund und bildet dort in hoher Konzentration eine ganz neue geologische Schicht.

"Plastics may therefore be the only problem that gets even bigger the smaller it becomes."[1:1]


Mit auf Forschungsreise nimmt uns der Film The Smog of the sea. Er handelt von einer Crew aus Meeresbiologen, die sich auf einer Cruise aufmachen, um den Nordatlantischen Plastik-Müllstrudel zu suchen. Schon vor dem Film habe ich gelesen, dass in den Weltmeeren große Plastikstrudel schwimmen. Darunter habe ich mir eine Ansammlung von Plastikmüll vorgestellt, die irgendwo auf dem Meer umhertreibt.

Die Crew (und weitere Expeditionen) haben jedoch nie DEN großen Müllstrudel gefunden - klares blaues Wasser bis zum Horizont und kaum Plastikmüll in Sicht! Weitaus schlimmer die Erkenntnis nach intensiven Messproben: das Meer ist durch und durch mit feinsten Mikroplastikteilchen durchzogen.[6]

Billionen kleinster Partikel bilden einen Nebel aus Plastik.

Man kann es nicht wirklich sehen, man kann es nicht fühlen, aber es ist da.

Wäre ich das Meer hätte ich auch irgendwann keinen Bock mehr. Wir fischen es leer, schnappen uns seine Bodenschätze und was geben wir zurück? Dünger in rauen Mengen, CO2 bis zum Abwinken und jede Minute einen Lkw voll Müll. Da würde doch jeder sauer werden!
Dem Meer ist das aber egal, denn im Unterschied zu uns Menschen braucht es uns nicht. Die Ozeane wird es auch noch lange nach uns geben. Wir hingegen sind extrem von den Weltmeeren abhängig.

Die Natur braucht den Menschen nicht. Der Mensch braucht die Natur.

Warum haben die Ozeane eigentlich einen so großen Stellenwert für uns Menschen?

  1. Unsere Erde ist zu 71 % von Wasser bedeckt. Jeder Fluss, jede Wolke, jeder Regentropfen geht irgendwann zurück ins Meer. Es ist fundamental für unser Klima.
  2. Wir gewinnen aus dem Meer Energie und Mineralien. Erneuerbare Energien wie Wind-, Gezeiten- und Wellenkraft konkurrieren auf dem Wasser mit fossilen Energieträgern wie Gas und Öl. Zudem ist die Tiefsee voller Bodenschätze (Mangan, Nickel, seltene Erden).
  3. Die Ozeane binden außerdem das von uns emitierte CO2. Sie sind die Giganten unter den Kohlenstoffreservoiren. Das Meer speichert mehr Kohlenstoff als die Atmosphäre und die Landbiosphäre (Pflanzen und Tiere), allerdings wird es ihm mittlerweile zu viel und eine Versauerung ist die Folge.[7] Das bedeutet, dass das CO2 sich im Wasser zu Kohlensäure wandelt und die Sättigung des Wassers mit Karbonat abnimmt.
    Das ist ein Problem für alle Kalkbildner wie Muscheln, Schnecken, Korallen etc., denn Karbonat ist der Baustein für ihre Schalen und Gehäuse.
  4. Rund 12 Millionen Menschen hauptsächlich aus Entwicklungsländern sind auf die Fischerei als Haupterwerbszweig angewiesen. Auch in der industriell betriebenen Fischerei arbeiten ca. 500.000 Menschen.
  5. Transport: 90 Prozent des globalen Handels erfolgen über den Seeweg. Neun Milliarden Tonnen Waren werden pro Jahr auf rund 90.000 Schiffen transportiert. Der Seeverkehr hat eine bessere Klimabilanz, was den Ausstoß von CO2 anbelangt. Pro Tonne Ladung und Kilometer liegen die Emissionen bei Schiffen bei drei bis acht Gramm, beim Straßenverkehr bei 80 Gramm und bei der Luftfahrt bei 435 Gramm CO2.[8]
  6. Mehr als eine Milliarde Menschen sind auf Fisch als primäre Proteinquelle angewiesen.[9] 90 % der weltweit kommerziell genutzten Fischbestände sind jedoch inzwischen ausgereizt.[8:1]


Neben der Überfischung gibt es für Meeresbewohner nun noch ganz andere Hindernisse gratis oben drauf. Das Bild dieser Schildkröte hat in der Kategorie "Nature" den World Press Award 2017 erhalten. 1341 Spezien sind von der Verschmutzung der Meere besonders stark betroffen - von Fischen über Meeresvögel und Krustentieren bis zu Korallen und Einzellern. Hauptsächlich essen sie Plastikpartikel, weil sie diese mit Plankton verwechseln und sie verheddern sich auch in Netzen und sonstigem umhertreibendem Dingen.[10]

"Weltweit befinden sich schätzungsweise bis zu 140 Millionen Tonnen an Abfällen in den Meeren. Der Großteil sind Kunststoffverpackungen und Kunststoffreste." [11]

Wie zum Henker kommt aber der ganze Müll überhaupt ins Meer?

  1. Schlechtes oder fehlendes Abfallmanagement ist der größte Verursacher.
  2. Mit ungereinigten Abwässern gelangt Plastikmüll aus Städten und Industrie direkt in Flüsse und ins Meer.
  3. Mikroplastik als Zusatz in Kosmetikprodukten wird von den Kläranlagen nicht herausgefiltert.
  4. Fischernetze und Angelleinen werden absichtlich auf hoher See über Bord geworfen oder gehen aus Versehen verloren.
  5. Müll wird auch illegal auf See entsorgt.
  6. Katastrophen wie Hurrikanes, Sturmfluten und Tsunamis tragen Trümmer und Müll aufs Meer hinaus. [12]

Dort schwimmen die Sachen dann für die Ewigkeit. Größere Plastikteile werden mit der Zeit durch Wind, Sonneneinstrahlung und Wellengang in immer kleinere Partikel zerrieben und et voilà: Mikroplastik bis zum Abwinken.

Bildquelle: Umweltbundesamt
Das Meer kann nicht einmal ansatzweise unseren Müll zersetzen, wenn 1 Styropor-Kaffee-Becher bis zu 50 Jahre braucht und jede Minute eine neue Wagenladung Abfall hinzukommt. Die größten Verschmutzer der Meere sind China, Indonesien, Vietnam, Thailand und die Philippinen.[12:1] Aber auch die deutschen und europäischen Küsten sind stark verschmutzt.[13]

11kg pro km² Müll findet sich auf dem Meeresboden der südlichen Nordsee. 69% von ca. 400 untersuchten Fischen in Nord- und Ostsee enthielten bei einer Untersuchung Mikroplastik.[13:1]

Wir und das Meer - es ist kompliziert.
Wir hängen da alle irgendwie mit drin und sind in einem komplexen Thema verheddert. Die Fischerei zum Beispiel ist verantwortlich für die zahlreichen Geisternetze im Meer. Andererseits macht sie sich Gedanken, ob Fisch, der Kunststoffpartikel enthält, überhaupt noch vermarktbar ist. Touristen wollen einerseits makellose Strände, hinterlassen jedoch genau das Gegenteil.

Es gibt Initiativen z.B. The Ocean Cleanup, die sich mit der Befreiung der Ozeane vom Plastikmüll befassen. Aber die Aufgabe ist extrem verzwickt, denn die meisten Plastikpartikel sind mikroskopisch klein und können nur schwer herausgefiltert werden. Außerdem hat man durch großflächige Filter ebenso viel Beifang. Gerade diejenigen Meeresbewohner, die man schützen möchte, würden so wieder zu Opfern werden.

Das Problem der Vermüllung kann also nicht im Wasser, sondern muss an Land gelöst werden.
Aber was kann ich nun tun? Ich lebe weder an der Nordsee noch ist der nächste Ozean bei mir um die Ecke.

Trotzdem hat dein Verhalten jeden Tag Auswirkungen auf das Meer. Huch?

  1. Zum Beispiel wenn du deinen Müll nicht ordentlich entsorgst. Achtlos weggeworfene Abfälle - egal ob Kippe, Kekstüte oder Plastikflasche - gelangen über die Kanalisation in Flüsse und irgendwann ins Meer. 70% des Mülls in den Ozeanen wurde vorher nicht sachgerecht entsorgt.
  2. Oder wenn du Kosmetikprodukte verwendest, denen Mikroplastik zugesetzt wurde. Das ist völlig unnötig, kann aber in Kläranlagen nicht herausgefiltert werden. Es landet also direkt auf unseren Feldern oder über Umwege auch im Meer.
  3. Richtig heftig wird es vor allem beim Waschen deiner Kleidung. Bis zu 2.000 Kunstfasern aus Polyester- oder Polyacryl-Kleidungsstücken gelangen pro Waschgang in die Gewässer. Sie können ebenfalls von den Klärwerken nicht zurückgehalten werden und schwimmen irgendwann, wie soll es anders sein, im Ozean.[14]

Du kannst also noch soweit vom nächsten Meer entfernt wohnen, darauf aufpassen kannst du trotzdem jeden Tag! Wie das geht - coming soon...

Quellen:


  1. (https://www.boell.de/sites/default/files/stopping-global-plastic-pollution.pdf) ↩︎ ↩︎

  2. (http://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0269749116311848) ↩︎

  3. (https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC4597356/) ↩︎

  4. (http://www.pnas.org/content/114/23/6052) ↩︎

  5. (http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1002/2014EF000240/full) ↩︎

  6. (https://marinedebris.noaa.gov/sites/default/files/publications-files/gpposter.pdf) ↩︎

  7. (http://worldoceanreview.com/wor-1/meer-und-chemie/kohlendioxidspeicher/) ↩︎

  8. (https://meeresatlas.org/) ↩︎ ↩︎

  9. (http://www.bpb.de/apuz/32214/nahrungsquelle-meer?p=all) ↩︎

  10. (http://litterbase.awi.de/interaction_detail) ↩︎

  11. (http://www.bmub.bund.de/pressemitteilung/hendricks-wir-haben-jetzt-eine-breite-staatenallianz-gegen-plastikmuell-in-den-meeren/) ↩︎

  12. (https://meeresatlas.org/) ↩︎ ↩︎

  13. (https://www.umweltbundesamt.de/themen/auch-deutsche-meere-leiden-unter-plastikmuell) ↩︎ ↩︎

  14. (https://www.umweltbundesamt.de/themen/wasser/gewaesser/meere/nutzung-belastungen/muell-im-meer) ↩︎