Ist das Kunst oder kann das weg?

Auch nach zwei Jahren Minimal-Konsum und stetigem Reduzieren sitze ich nicht in einer leeren Wohnung, es nagt kein Verzicht an mir und von gähnender Leere keine Spur, sowas! Ganz im Gegenteil, weniger zu haben macht glücklich. Und ist so entspannend. Es ist ein gutes Gefühl genau zu wissen was in meinem Kleider-, Bad- oder Küchenschränkchen ist. Die Übersichtlichkeit bringt Ruhe in mein stürmisches Leben, herrlichst!

Die Gründe für mein minimalistischeren Lebens kannst du auf Tausche Besitz gegen Freiheit nachlesen. Die neue Übersichtlichkeit, finanzielle Freiheit, mehr Zeit und die Schonung der Umwelt sind ein paar davon.

Warum aber ist das Ganze überhaupt geglückt und hat nicht in Tränen, einer mittleren Identitätskrise oder in einem Wegwerfwahn geendet - wie manche Kritiker zurecht behaupten? Vielleicht liegt es an den folgenden 5 Ratschlägen, die ich beherzige. (Oder lag es an den Einhornschuhen?? Ach, wer weiß das schon!)

Das Einmaleins für mein einfacheres Leben

1. Leg den Fokus auf das Schöne.

Dieser Ratschlag hat mir vor allem beim Durchstöbern meiner Kindheitserinnerungen, Reisemitbringsel und Andenken geholfen. Kistenweise türmten sich Erinnerungen auf dem Dachboden, puh! Es war unmöglich das Ganze auch nur ansatzweise Durchzuschauen ohne dafür tagelang beschäftigt zu sein. Zu viel, zu durcheinander und einfach viel zu viel!

Aufgehoben habe ich jetzt nur noch Sachen, die mich beim Ansehen glücklich machen und die ich schön finde.

Andenken, die mich an eine Zeit erinnern, in der ich oft krank war oder an eine Freundin, die mich oft versetzt hat - habe ich weggeworfen. Diese Dinge sind passiert, sie sind ok, aber ich muss nicht extra daran erinnert werden, danke.

2. Was ist dir wirklich wichtig?

Minimalismus heißt nicht nur weniger zu besitzen. Minimalismus heißt Platz zu machen für wirklich wichtige Dinge. Es geht nicht nur um bloße Besitzreduktion, genauso wie ein gesunder Lebenstil nichts mit Diät machen zu tun hat. Weniger Dinge zu besitzen ist zwar Teil des minimalistischen Lebensstils, aber unkontrolliertes Ausmisten ohne Änderung der eigenen Grundeinstellung ist wie eine schnelle Diät - es hält nicht langfristig an und unnützes Zeug schleicht sich klangheimlich wieder in dein Leben. Eine echte Veränderung entsteht erst dann, wenn man nicht ständig darüber nachdenkt was man nicht haben kann, sondern zu sehen wie viele Möglichkeiten man nun hat das zu machen was man wirklich will.

Anstatt NEIN zum Shoppingtrip zu sagen, sage ich JA zu finanzieller Unabhängigkeit.
Anstatt NEIN zu einem Auto zu sagen, sage ich JA zu meinem Fahrrad und sauberer Luft.
Anstatt NEIN zu weiteren Klamotten zu sagen, sage ich JA zu meinem Lieblingskleid.

Diese Liste könnte ich unendlich fortführen. Was ich damit sagen will: mein Leben als Minimalistin ist nicht geprägt von Verzicht, es ist geprägt von Zufriedenheit und Freiheit durch bewusste Entscheidungen und einer Prise Konfetti, denn für Konfetti reicht es allemal!

Geh also behutsam vor. Es soll schon vorgekommen sein, dass Menschen auf der Suche nach einem einfachen Leben plötzlich in einer kahlen Wohnung saßen und merkten: ihnen ist verdammt langweilig!
Je mehr wir an Materiellem, aber auch an Verpflichtungen und Gewohnheiten reduzieren desto mehr Zeit haben wir für uns selbst. Anstelle von Fernseher, Spielkonsole, Auto oder Freundschaften, die uns nicht gut tun oder was auch immer wegfällt, müssen neue Themen treten, sonst folgt schnell Langeweile und Unzufriedenheit. Anfangs fühlt man sich vielleicht befreit und erleichtert, aber anschließend muss man sich grundsätzlichen Fragen stellen: Wann bin ich glücklich? Wo will ich hin? Was möchte ich an meinem Leben verbessern? Klingt schwierig?

Beobachte nach dem Ausmisten ganz genau was so wertvoll für dich war, dass du es behalten hast.

Diese Dinge, Menschen und Aktivitäten können dir Aufschluss darüber geben was dich wirklich interessiert und was dir wichtig ist. Und das ist wiederum wichtig gegen Langeweile. Wolltest du nicht schon ewig DIES oder DAS machen? Jetzt ist die Gelegenheit!

3. Die Wegpack-Strategie

Bist du dir nicht ganz sicher - brauche ich den knallroten Fetzen oder den ultimativen Milchaufschäumer eigentlich noch? Dann pack die Sachen in eine Kiste und verstaue sie für einige Monate. Die Zeit kann für verschiedene Gegenstände unterschiedlich sein. Fehlen sie dir nicht, kannst du sie getrost weggeben.

Brauchst du die Sachen nur für eine hypothetische Situation, die zur allergrößten Wahrscheinlichkeit nie eintritt - Kletterschuhe bei Höhenkrankheit oder Salatschleuder bei Salatallergie - dann überleg dir, wie schnell du wieder an den Gegenstand rankommst sollte der Unwahrscheinlichkeitsfall doch eintreten? Kannst du ihn dir von jemanden ausleihen?

Ansonsten kommt bei mir alles weg was kaputt ist (Uhr), was ich doppelt oder eher 1000fach habe (Tassen), was mich frustriert (afrikanische Souvenirs), was noch immer ein Preisschild dran hat (Jacke) und was ich definitiv nicht nochmal lesen würde (Bibel).

4. Keine Eile

Das alles passiert nicht über Nacht. Zerleg das Vorhaben in kleine überschaubare Episoden. Fang mit einer Schublade, einem Schrank, deiner Büchersammlung oder der Abstellkammer an. Keiner mistet an einem Tag die ganze Bude aus.

The truth is, embracing minimalism is a journey and it takes time to unlearn a lifetime of habits. Jennifer von simplyfiercely

Also langsam mit den Kamelen und vor allem freu dich! Freu dich über einen übersichtlichen Kosmetikschrank, über die Skiausrüstung, die du eh nie brauchst und nun verkauft hast oder über die kleine Andenkenbox, die jetzt im Freudentaumel und Glücksgefühlen endet. Freu dich darüber wie viel du schon geschafft hast.

5. One in, one out

Manchmal braucht man halt doch Sachen - auch die Minimalisten brauchen ab und zu Sachen. Ist so. Socken zum Beispiel oder nen Blumentopf oder so. Aber Spontankäufe? Nee. Lieber überlege mir vorher genau was und wo ich etwas kaufe.

Was mir besonders daran gefällt so wenig wie möglich zu kaufen? Dass ich mich nicht ständig mit ethischen Fragen quälen muss. Nehme ich den Billiggürtel oder den Ledernen? Jenes Elektrogerät aus China oder doch das Andere mit der langen Akkulaufzeit? Puh, schwierig.

Bei 9 von 10 Sachen umgehe ich dieses Dilemma und kaufe nichts von Beidem.

Weniger Stress, kein schlechtes Gewissen und noch dazu Geld gespart. Das geht natürlich nicht bei allem, aber je länger ich überlege desto mehr fällt mir auf - eigentlich brauche ich es doch nicht so megadringend!

Bei allem was ich trotzdem kaufe gilt das Prinzip: one in, one out. Kommt etwas Neues dazu, muss was Altes gehen. Funktioniert ganz gut.

Und dann ist man irgendwann endlich soweit. Hat sich für Sachen entschieden, die bleiben. Und ein paar Dinge oder auch ein ganzer Haufen, die gehen und einen neuen Besitzer finden sollen. Aber ach du liebe Güte, wohin mit den vielen bunten Sachen?

Kommode-Pyjama-Porzellan-Giraffendings sucht neuen Besitzer

Viele Dinge, die wir besitzen sind in einem 1A-Zustand und können mitnichten noch einige Jahre weiterleben...

Kleidung

  • im Second-Hand-Laden um die Ecke verkaufen
  • online bei Kleiderkreisel und Co. verkaufen oder tauschen
  • Spenden z.B. bei der örtlichen Kleiderkammer, Gebrauchtwarenläden, Sozialkaufhäuser oder Oxfam
  • Altkleider-Container - die Standortsuche von FAIRwertung zeigt dir welchen Containern du in deiner Nähe trauen kannst, denn Kleidercontainer ist nicht gleich Kleidercontainer!
  • mit Freunden tauschen oder an sie verschenken
  • auf dem Flohmarkt verkaufen

Möbel und Elektronik

  • z.B. auf Ebay-Kleinanzeigen verkaufen oder verschenken
  • rebuy für Elektronik
  • Spenden an Gebrauchwarenhäuser oder karitative Einrichtungen
  • Aushang am schwarzen Brett z.B. in Supermärkten machen
  • Freunde oder Familie fragen
  • auf dem Flohmarkt verkaufen

Bücher, CD's, DVD's

  • Familie und Freunde fragen
  • Neu entdeckt habe ich momox und rebuy Diese Online-Marktplätze kaufen alte Bücher, CD's und DVD's auf und verkaufen sie dann weiter. Die Handhabung ist mit dem integrierten Barcode-Scanner der App super easy. Weitere Möglichkeiten hier
  • Ebay-Kleinanzeigen
  • An Büchereien in der Umgebung spenden
  • Oxfam
  • Flohmarkt

Die Seite wohindamit hilft dir rauszufinden wo du deine Sachen ganz leicht spenden kannst.

Bei diesem Sammelsurium an Möglichkeiten muss nichts was noch gut ist in die Tonne.

Außer es muss halt doch was in den Müll, da zu alt, dreckig oder kaputt? Dann helfen dir die Seiten der Verbraucherzentrale und des Nabu beim Recyceln.

Vielleicht hast du aber auch eine ganz andere Strategie für ein einfacheres Leben? Großartig. Meine ist sicher nicht der Königsweg. Für mich hat er funktioniert, aber es mag ja auch nun wirklich nicht jeder Schlumpfeis, probier aus was für Dich passt!