Meer - ich mag dich.

Wir alle lieben das Meer. Wir fahren gern ans Meer, wir schwimmen gern im Meer. Wir lieben es aufs Meer zu schauen und in ihm zu tauchen. Wir lieben die Tiere, die darin leben und viele essen diese auch gerne. Wir lieben den salzigen Geruch und das Meeresrauschen. Wir lieben das Meer.

Von dieser Liebe bekommt das Meer aber nicht viel mit. 71 % der Erde sind von Wasser bedeckt, dennoch sind die Ozeane die am wenigstens geschützten Gebiete der Erde. Ihre Überfischung, Überdüngung und Verschmutzung mit (Plastik-)Müll erfolgt mit solch erstaunlicher Ausdauer, die man sonst nur von eingefleischten Fussballfans kennt.[1]

Bei der Recherche für meinen Artikel Buntes für die Ewigkeit habe ich jedoch gelernt, dass wir stark von den Ozeanen abhängig sind. Sie versorgen uns mit Rohstoffen und mit Essen, sie geben uns Arbeit, sie sind eines der wichtigsten Transportwege, sie binden das CO2, das wir ausstoßen und sind fundamental wichtig für das Klima auf unserem Planeten.
Ohne die Weltmeere funktioniert hier gar nichts.

Jeder einzelne von uns hat jeden Tag Einfluss auf Flüsse, Seen und die Ozeane - egal ob wir direkt daneben oder meilenweit entfernt wohnen.

Also nicht lange überlegen. Noch heute kannst du damit anfangen das Meer zu schützen!

8 Mal Liebe 💛 für's Meer durch weniger Plastik - so einfach geht's.

1. Badezimmer-Inventur.

Richtig fies für unsere Gewässer ist die starke Verschmutzung durch MIKROPLASTIK. Das sind Plastikpartikel, die entweder aus größeren Plastikteilen entstehen, die im Meer durch Sonneneinstrahlung, Wind und Wellengang zu immer kleineren Partikeln zerrieben werden. Oder es gibt auch noch primäres Mikroplastik, das extra synthetisch, z.B. für eine Vielzahl unserer Kosmetikartikeln, hergestellt wird.[2] Diese Plastikteilchen haben verschiedene Eigenschaften: Filmbildung wie bei Sonnencremes, unterschiedliche Fließfähigkeit wie bei Duschgels oder als kleine Kügelchen in Gesichts- und Körperpeelings.

Die Krux an der Geschichte ist, dass diese winzig kleinen Partikel in den Kläranlagen nicht herausgefiltert werden können und somit ungehindert auf unsere Felder oder ins Meer gespült werden. Mittlerweile sind sie überall in den Ozeanen zu finden - egal ob an der Wasseroberfläche, am Meeresgrund oder allerorts dazwischen. Meerestiere verwechseln das Mikroplastik mit Plankton und es kann über die Nahrungskette auch in unseren Speisefischen enthalten sein. Auweia, gar nicht gut!
Erkennen kannst du Mikroplastik an dem Zusatz -poly auf der Inhaltsstoffliste. Das Gute ist, es gibt Alternativen.

codecheck.info kann dir helfen herauszufinden was in deinen Kosmetikartikeln steckt und wie du sie durch Andere ersetzen kannst.

Durch die Inventur flog aus meinem Badezimmerschrank nach und nach einiges komplett raus und manches habe ich durch umweltverträglichere Produkte ersetzt.
Was ich mittlerweile selbermache, weil es so günstig und sagenhaft umkompliziert einfach geht, ist ein Körper-Peeling. Das Rezept findest du hier.

Viel Spaß beim Durchforsten, Aussortieren und Selbermachen!

2. Einmal unverpackt, bitte.

Bei der Einsparung von Plastikverpackungen denkst du wahrscheinlich, komm mir jetzt bloß nicht mit der Plastiktüte, die benutze ich doch schon seit Jahren nicht mehr. Yippiee! Ich auch nicht, aber blicke ich in meinen Recycling-Container werde ich jedes Mal fast verrückt. Wo kommt nur das ganze Zeug her?? Wo also Verpackung sparen?

  1. Ich kaufe, wenn's geht, unverpacktes Obst und Gemüse (z.B. frische rote Beete, Blumenkohl, Weißkohl, Tomaten, Äpfel etc.) und lege diese einfach so auf's Band, waschen muss ich sie später sowieso.
  2. Kaufe ich Sachen mit Verpackung, dann lasse ich diese, wenn möglich gleich im Supermarkt. Alles was du nicht unbedingt zum Transport benötigst - also ich trage Nudeln jetzt nicht einzeln nach Hause - aber ich entferne den Karton vom Pudding oder Plastiktüten vom Salat. Supermärkte sind laut Verpackungsverordnung verpflichtet Recyclingcontainer aufzustellen.[3] Wird der Abfall vor Ort immer mehr, überdenken sie vielleicht irgendwann ihr Verpackungsmanagement von ganz allein, wer weiß!
    Es gibt zum Beispiel eine ganz neues Labeling, das Plastik für bestimmte Gemüsesorten bald ersetzen könnte. Solche Innovationen sind wichtig und wir können sie vorantreiben.
  3. Was mich auch mega nervt sind diese winzigen Portionen bei Brotaufstrichen in Plastikverpackungen, die dreimal so groß sind wie der Inhalt. Was ich brauche ist mehr von dem leckeren Zeug und weniger von dem Verpackungsgedöns. Also ran an den Mixer und hurra, Brotaufstriche bis zum Abwinken! Wie einfach das nun wieder geht, findest du hier.

Falls dann echt kein Weg an der Chipstüte, der Plastikflasche oder der Zigarettenverpackung vorbei führt, dann achte doch darauf, dass der Müll nicht in der Gegend rumfliegt. Schon mal nach einem sonnigen Tag im Park gewesen oder auf einem Festival? Mein lieber Schwan, das ist danach kein schöner Anblick! Vor allem, wenn wir unterwegs sind, wird immer noch viel achtlos liegen gelassen. Das wandert auch gerne mal in die Kanalisation und wird in unsere Gewässer gespült, uncool, aber so leicht zu vermeiden. Klar, es ist nur eine Flasche, die du am Strand liegen lässt. Aber aus einer Flasche pro Person werden dann schnell 11kg Müll pro km², die man auf dem Meeresboden der südlichen Nordsee findet. Oder 69% von ca. 400 untersuchten Fischen in Nord- und Ostsee, die Mikroplastik in den Mägen haben, ürks.[4]
Durch dein Verhalten bringst du auch andere zum Nachdenken und Nachmachen, trau dich.

3. Love your personal water bottle.

Schon krass wie viele Plastikflaschen im Umlauf sind. 70% des in Deutschland getrunkenen Mineralwassers aus Flaschen stammt aus PET-Plastikflaschen und damit aus Erdöl.[5] Davon ist nur ein kleiner Prozentteil wiederverwendbar, besser wäre es also, wenn sie gar nicht produziert werden würden und fälschlicherweise im Meer landen.
Das kannst du so ungeheuerlich einfach verhindern, indem du schnurstracks Leitungswasser aus deiner persönlichen Wasserflasche trinkst. Spar dir die Schlepperei und vor allem das Geld.

Zwei Liter Mineralwasser kosten im Durchschnitt einen Euro. Für den gleichen Euro bekommt man ca. 200 Liter Leitungswasser.[6]

Ich hab mich wohl verhört!? Investiere in eine individuelle Trinkflasche. Ich hab zum Beipsiel eine von Klean Kanteen . Wer's lieber durchsichtig mag kann sich eine der schönen soulbottles aussuchen.

Findest du Leitungswasser zu fad, dann brezel es auf z.B. mit 2-3 Scheiben Gurke, ein bißchen Ingwer oder nen Stängel frische Minze. Rezept findest du unter dem Stichwort infused water.
Bowle-Feeling jeden Tag, nom nom nom!!

4. Liebe Putzmittel, wir müssen reden.

Müssen es eigentlich diese zwanzig verschiedenen Flaschen an Reinigungsmitteln sein? Oder geht's auch mit weniger und vielleicht ein bißchen umweltfreundlicher? Diese Frage habe ich mir vor einiger Zeit gestellt und raus kam, meine Güte, schon ein bißchen übertrieben mein Putzmittel-Sortiment! Das reinste Chemielabor.
Also aufbrauchen und ggf. durch ein anderes, umweltfreundlicheres Putzmittel ersetzen. Denn die meisten herkömmlichen enthalten Konservierungsstoffe, Silicone, Farbstoffe und Paraffine, die nur schwer abbaubar sind und auch noch zur Überdüngung unserer Gewässer beitragen. Der wichtigste Bestandteil aller Putzmittel sind Tenside. Diese werden zum größten Teil aus Erdöl hergestellt. Das ist nicht nur nicht nachhaltig, sondern auch noch toxisch für Wasserorganismen. Na, toll. Also raus mit dem Zeug.

Übrig geblieben sind bei mir diese Drei:

  1. Spülmittel von ecover
  2. Zitronensäure von Heitmann für Bad/Toilette
  3. Essigessenz für den Rest

Meinen Weg zu diesem Sortiment kannst du auch nochmal Nachlesen unter Liebe Putzmittel wir müssen reden.
Was in deinen Putzmitteln steckt erfährst du wieder unter codecheck.info .

5. Fahrrad-Ahoi!

Einen ziemlich großen Anteil an Mikroplastik steuert der Abrieb von Reifen bei. Daran hätte ich nun gar nicht gedacht, aber...

Reifenabriebe sind die Hauptquelle für Mikroplastik in Flüssen und Seen und machen 28 Prozent der Plastikpartikel in den Meeren aus.[7]

Na dann lassen wir das Auto doch getrost in der Garage, spazieren zu Fuß zum Supermarkt oder radeln munter darauf los! Klar, das Fahrrad hat auch Reifenabrieb, aber verschwindend gering, da viel weniger Auflagefläche und bedeutend weniger Gewicht. Autoreifen haben im Gegensatz dazu in Deutschland einen jährlichen Abrieb von ca. 46.000 Tonnen Kunststoff. Der wird bei Regen in die Kanalisation geschwemmt und schafft es auch bis ins Meer. In der Ostsee stammt die Mehrheit der gefundenen Plastikpartikel von den Überbleibseln von Reifen.[8]
Nicht nur durch weniger Reifenabrieb tust du dem Meer etwas Gutes, wenn du mit dem Fahrrad fährst, sondern du sparst auch noch CO2 und Feinstaub ein. Das ist gut für's Klima und für die Luft, die dir beim radeln um die Nase weht.

6. Muss es immer Plastik sein?

Bevor ich irgendetwas kaufe - egal ob Klamotten, Kosmetik, Haushaltszeug, Elektronik, weiß der Geier...erst einmal die drei Fragezeichen abklappern:

  1. Brauche ich das Teil wirklich megaoberdringend?
  2. Wird es mir lange Freude machen?
  3. Und falls Plastik enthalten ist, gibt es eine plastikfreie Alternative?

Durch diese drei Kriterien fallen viele Sachen schon mal weg, denn wenn man ehrlich ist, das meiste Zeug braucht man nicht wirklich und Freude macht es einem auch nur die ersten 2 Tage und dann liegt's für die Ewigkeit im Schrank oder auf dem Dachboden oder im Keller, wo auch immer. Um manche Dinge kommt man natürlich nicht umher, trotzdem...

Muss es die Plastik-Eiswürfel-Tüte sein oder geht auch ein wiederverwendbarer Eiswürfel-Maker? Muss es die Flüssigseife im riesig großen Plastikbehälter sein oder geht auch eine schöne Stückseife? Das Wort Kaffeekapseln will ich gar nicht in den Mund nehmen, wieso nicht ein leckerer Kaffee aus der French-Press - null Abfall, einfach nur herrlich!

Es geht vor allem auch darum eine andere Einstellung zum Plastik zu finden. Wir dürfen es nicht mehr als billiges Einwegprodukt betrachten, sondern als wertvolle Ressource. Plastik sollte nur dort eingesetzt werden, wo man keine anderen Materialien benutzen kann. Letztlich muss es darum gehen, insgesamt weniger zu konsumieren, mehr wieder zu verwerten – und vor allem: weniger zu verpacken, sagt auch die Tiefseeforscherin Melanie Bergmann.[9]

Viele tolle Plastikalternativen findest du zum Beispiel im avocadostore

7. Plastikfrei in der Waschtrommel.

Nicht nur über die Dusche oder das Waschbecken verlassen tausende Plastikpartikel klammheimlich unser Zuhause. Auch über das Abwasser der Waschmaschine schwimmen Plastikfasern ungehindert in unsere Gewässer.

Bei der Wäsche lösen sich Kleinstpartikel aus Stoffen mit Plastikanteil, wie Acryl und Polyester, und gelangen ins Abwasser. Dies ist besonders bei Outdoor-Kleidung, wie Softshelljacken und Fleece-Pullis der Fall. Und überraschend: Socken.[10]

Bis zu 2.000 Kunstfasern können so pro Waschgang in die Umwelt gelangen, da sie von den Klärwerken nicht zurückgehalten werden. Oh dear! Was also tun?

  1. Kleidung lange anziehen, je länger man sie trägt desto weniger Fasern waschen sich raus.
  2. Wäsche sanfter waschen, dadurch werden weniger Mikrofasern ins Abwasser abgegeben z.B. bei niedrigen Temperaturen oder geringerer Schleuderzahl.
  3. Wenn irgendwie möglich Kleidungsstücke aus Baumwolle oder Wolle kaufen.[11]

8. Erzähl deiner Familie und Freunden warum du das Meer liebst und wie du es schützt.

Spread the word - damit hast du schon ganz viel erreicht.

Es gibt natürlich noch eine ganze Hand voll weiterer Dinge, die du tun kannst. Weiter wie bisher? Ist doch langweilig. Starte mit einer kleinen Veränderung und versuche eine nach der Anderen umzusetzen. Vielleicht sagst du, auweia, Nr. X ist schrecklich/buuh/geht gar nicht, dann mach was anderes!

Das Meer, dein See um die Ecke und der Fluss an dem du manchmal sitzt danken es dir! 💛

Quellen:

Einen richtig guten Artikel zum Aktivwerden gibt's auch auf FüreinebessereWelt.


  1. (https://www.heise.de/tr/artikel/Mikroplastik-ist-einfach-ersetzbar-3606596.html) ↩︎

  2. (https://www.boell.de/meeresatlas) ↩︎

  3. (https://www.janolaw.de/newsletter/interview/neue_verpackungsverordnung.html) ↩︎

  4. (https://www.umweltbundesamt.de/themen/auch-deutsche-meere-leiden-unter-plastikmuell) ↩︎

  5. (http://www.wasser-bayern.de/tag/pro-und-contra/) ↩︎

  6. (https://reset.org/knowledge/flaschenwasser-–-der-beste-marketingtrick-unserer-zeit) ↩︎

  7. (https://de.wikipedia.org/wiki/Reifenverschleiß) ↩︎

  8. (https://www.umweltbundesamt.de/sites/default/files/medien/378/publikationen/texte/63/2015/quellen/fuer/mikroplastik/mit/relevanz/fuer_+/den/meeresschutz/1.pdf) ↩︎

  9. (http://www.zeit.de/wirtschaft/2017-07/plastikmuell-meer-melanie-bergmann-tiefseeforscherin/seite-3) ↩︎

  10. (https://enorm-magazin.de/ein-waschbeutel-gegen-mikroplastik) ↩︎

  11. (http://www.deutschlandfunk.de/teilchenfaenger-ideen-gegen-mikroplastik-im-meer.740.de.html?dram:article_id=387271) ↩︎