Wie viele Sitzecken braucht ein Haus?

Ein Nähzimmer, ein Arbeitszimmer, ein Lesezimmer, ein Hobbyzimmer. Ein Zimmer zum Träumen und eins für die Weihnachtsdeko. Das Wohnzimmer ein Tanzsaal und nicht zu vergessen - der berüchtigte Partykeller! Ein Gästezimmer, ein Ankleidezimmer, ein Technikzimmer...

Kann im Einzelfall alles sinnvoll sein, mehr oder weniger.

Was mich interessiert: wie viel Platz braucht der Mensch zum glücklich sein?

Sind Menschen in großen Häusern glücklicher? Oder umgekehrt sind alle Menschen in Kleinen unglücklich? Muss ich ein 130m² Haus bauen, weil das nun mal hier der Standard ist und den Platz werde ich schon irgendwann mal brauchen?

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Wohnen ist ein Grundbedürfnis. Die hohen Mietpreise in Großstädten samt wahnwitzigen Mietkonditionen, wodurch ich mir nicht mal mehr die kleinste Kajüte leisten kann, sind ätzend. Aber nicht Mittelpunkt dieses Artikels.

Mir geht es eher um die Selbstverständlichkeit wie wir Fläche zubauen und uns größtenteils keine Gedanken machen, wie viel wir davon tatsächlich brauchen. Ist doch normal, dass ich eine Doppelgarage mit Unterkellerung baue. Ach, echt?

Die durchschnittliche Wohnfläche in Deutschland im selbstgenutztem Eigentum liegt bei knapp 50m². Pro Person.

Bei einem Zwei-Personen-Haushalt sind es sogar 58m² pro Person im Eigenheim. (Stand 2014)[1] 1998 lag der Durchschnitt noch bei 39m² pro Person. Der Grund für den Anstieg sind hauptsächlich die Zunahme an verfügbarem Einkommen, die Vielzahl an Single-Haushalten und der Umstand, dass immer häufiger Menschen auch im Alter in ihren großen Wohnungen wohnen bleiben.[2]

Steigender Wohlstand führt zu wachsenden Wohnansprüchen und zu mehr Wohneigentum und dieses fällt immer größer aus als das Wohnen zur Miete.
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Quellen:[3] [4] [5]

Es gibt natürlich große regionale Unterschiede in Deutschland - sowohl bei den Kosten zum Beispiel für das Grundstück als auch bei der Wohnfläche. Sehr anschaulich aufgeschlüsselt hat der Zensus von 2011 die durchschnittliche Wohnfläche pro Einwohner in Deutschland.

Je dichter ein Gebiet besiedelt ist, desto geringer sind die Wohnflächen je Einwohner.[6]

Die durchschnittliche Wohnfläche von Einfamilienhäusern in Bayern lag 2011 bei 130m².[7] Hä? Wenn ich mich hier so umsehe glaub ich das im Leben nicht, aber gut. Viele Länder - wie Schweden (82m²), Italien (81m²), Großbritanien (75m²), Russland (57m²), China (60m²) - wohnen im Durchschnitt auf bedeutend kleinerem Wohnraum als wir.
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Quellen: [8] [9] [10]

Viel Platz kann definitiv Vorteile haben, eh klar. Es ist Raum vorhanden, um sich aus dem Weg zu gehen, kann ja nicht schaden. Es gibt tatsächlich ein eigenes Zimmer für Gäste, grandios! Man kann mal was liegen lassen - das Puzzle, die Bastelarbeit, die aufgebaute Lego-Eisenbahn - whatever. Toll!

Aber die Frage ist doch: wie oft im Jahr brauche ich tatsächlich diese zusätzlichen Quadratmeter? Ist es das wirklich wert, dass ich das ganze Jahr über meine 150m² saugen, wischen, Fenster putzen, heizen und instandhalten muss, nur um zweimal im Jahr in meinen Keller zu gehen, um mich zu fragen wem all das Zeug eigentlich gehört?

Hinzu kommt, dass fast 20% des CO2 Ausstoßes auf den Wohn-Sektor fallen. Also für Heizung, Klimatisieren und für Energie.

Die letzten 6 Jahre habe ich auf 42m² gewohnt. Zu zweit. War ich deshalb unglücklich? Nicht die Bohne.

Die meisten Menschen haben mich mit Entsetzen gefragt, aber Mädchen fühlst du dich nicht eingeengt? Erdrückt? Geht ihr euch nicht auf die Nerven? Und wo sind all eure Sachen??

Nein, ich habe mich nicht beengt gefühlt. Wer hat denn etwas gegen Gemütlichkeit und Übersichtlichkeit? Ok, ein Balkon wäre schon fein gewesen, aber nun denn.
Nö, ich brauche nicht mehr Platz. Wir haben eh schon mehr Sachen als wir brauchen. Und falls ich keine Lust mehr auf mein Zimmer habe gehe ich raus und treffe mich mit Freundinnen anstatt in ein anderes Zimmer zu gehen.
Und ich bin überzeugt, dass eine gute Beziehung nichts mit der Größe des Wohnraumes zu tun hat. Denn streiten kann sich wer will auf 40 oder auf 120m². Die Scheidungrate in Deutschland ist hoch obwohl wir viel Platz zur Verfügung haben, daran liegt es nicht. Wenn dann hat ein kleines Zuhause eher einen positiven Effekt, denn es gibt viel weniger zu putzen, zu reparieren und weniger um sich Sorgen zu machen (zum Beispiel über die Abzahlung des Kredits für das Eigenheim). Dafür hat man mehr Zeit für den Anderen und für Dinge, die man zusammen gerne macht.

Muss das nun alles anders sein, nur weil ich mein eigenes Haus baue? Gelten für das eigene Haus plötzlich andere Maßstäbe? Es scheint so, denn unser Bauplan hat allerseits für Kopfschütteln gesorgt. Nee nee nee, wenn ihr euch da mal kein Ei legt.

Für mich lohnt sich's allemal auszuprobieren und nun 9 grandiose Gründe für ein kleines Haus...
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Man muss ja nicht gleich in einen 10m² Bauwagen oder in ein TinyHouse ziehen, wobei die sehr sehr lässig sind! Aber zumindest die Fragen...

  1. Wie viel Platz brauche ich wirklich?
  2. Will ich wirklich so viel Geld ausgeben?
  3. Und mich von einem Kredit abhängig machen?

...kann man sich schon mal stellen.

Und wäre es nicht schöner der Natur weniger Platz wegzunehmen und stattdessen in dieser zu laufen, zu schwimmen, durch den Wald zu gehen oder ein Lagerfeuer zu machen?

In einer dunklen Einzimmerwohnung ohne richtiges Tageslicht kann natürlich jeder klaustrophisch werden. Aber ist die Wohnung luftig, hell und gut geschnitten, dann reichen auch weniger Quadratmeter aus. Bei einem Neubau hat man dies sowieso selber in der Hand.

Ich glaube jedenfalls nicht, dass mein Glück in großen Räumen liegt.

Um auf die Ausgangsfrage zurückzukommen, ob man nun in einem Mini-Haus oder in einer Villa glücklich wird hängt von vielen Faktoren ab. Dennoch schadet es nicht sich bewusst zu machen welche großartigen Vorteile Wohnen auf kleinem Raum haben kann. Es ist ein schmaler Grat zwischen zu wenig und zu viel Platz, aber es ist gut sich darüber Gedanken zu machen...

Wie viel Platz brauchst Du wirklich, um glücklich zu sein?

Tolles Video zum kleinen Wohnen im wdr:
Frei sein im Mini-Haus - Wie viel Platz brauche ich zum Glücklichsein?


  1. (https://www.destatis.de/DE/ZahlenFakten/GesellschaftStaat/EinkommenKonsumLebensbedingungen/Wohnen/Tabellen/TabellenHaushaltsstrukturWohnflaeche.html) ↩︎

  2. (https://www.umweltbundesamt.de/daten/private-haushalte-konsum/siedlungsflaechenbelegung-fuer-wohnen#textpart-3) ↩︎

  3. (https://www.destatis.de/DE/Publikationen/Thematisch/Bauen/Querschnitt/Bauwirtschaft.html) ↩︎

  4. (https://www.wallstreet-online.de/nachricht/9413877-sparda-studie-wohnen-deutschland-2017-deutsche-fuer-eigenheim-durchschnitt-242-000-euro) ↩︎

  5. (https://news.immowelt.de/n/2657-studie-deutsche-zahlen-im-schnitt-27-jahre-lang-ihr-eigenheim-ab.html) ↩︎

  6. (https://www.fachzeitungen.de/fachbeitraege/umfrage-erhoehte-nachfrage-nach-wohnflaeche-1050351/) ↩︎

  7. (https://www.statistik.bayern.de/presse/archiv/2012/154_2012.php) ↩︎

  8. (https://monastevens.com/interesting-facts/how-big-is-my-house-average-home-sizes-from-around-the-world/) ↩︎

  9. (http://www.visualistan.com/2015/08/house-sizes-around-world-infographic.html) ↩︎

  10. (http://www.switzer.com.au/business-news/news-stories/australian-homes-are-biggest-in-the-world2/) ↩︎