Das Knistern der zwanzigsten Gemüseverpackung.

Wenn ich lese, dass die Hälfte des gesammelten Verpackungsmülls aus Privathaushalten in Deutschland nicht recycelt, sondern verbrannt wird, kommt schnell der Gedanke auf: Warum trenne ich denn überhaupt, wenn danach sowieso alles verheizt wird? Aber sollte ich mich an dieser Stelle nicht eher fragen: Muss ich überhaupt so viele Verpackungen verbrauchen und wäre es nicht sinnvoller Müll einzusparen, um ihn weder recyceln noch verbrennen zu müssen?

Verpackungen in Zahlen:
  • 11,7 Millionen Tonnen Plastik werden im Jahr in Deutschland verbraucht, 20% mehr als im europäischen Durchschnitt. [1]
  • Mehr als 90% unseres Plastikmülls wird in Deutschland wieder eingesammelt. [2]
  • Aber nur 34,2% der Kunststoffabfälle aus Privathaushalten und 30,3% aus dem gewerblichen Endverbrauch werden recycelt. [1:1]


Bildquelle: 7 Days of Garbage - Gregg Segal

Warum ist das so?

Kunststoffabfälle aus Privathaushalten sind meist verschmutzt und nicht sortenrein. Vor allem Mischkunststoffe wie bei Chipstüten oder Zahnpastatuben lassen sich nur schwer trennen und landen daher in den Müllverbrennungsanlagen.
Ein weiterer Grund warum Plastikmüll verbrannt wird ist der Preiskampf zwischen der Verbrennungs- und Recyclingindustrie. Da es für die Entsorger günstiger ist den Müll zu verbrennen wird den Verbrennungsanlagen häufig der Vorzug gewährt.

Nachteile der Verbrennung von Kunststoffen:

  • Verbrennen ist Materialvernichtung, Ressourcen werden unnötig verschwendet
  • die Energiebilanz ist deutlich schlechter als beim Recycling
  • Entstehung umweltschädlicher Stoffe, die teuer und technisch aufwendig gefiltert werden müssen

Warum brauchen wir eigentlich so viele Verpackungen?

  • Anstieg der Verpackungsmenge zwischen 1990 und 2014 um 6,2%; Gründe hierfür: steigende Zahl von Singlehaushalten (auch bei Senioren), Urbanisierung und wachsender Internethandel. [3]
  • Es gibt die EU-Verordnung, dass der Verbraucher Bio-Produkte klar von konventionellen Produkten unterscheiden können muss. Der Handel reagiert darauf mit Plastikverpackungen. Das ist insbesondere bei loser Ware wichtig. Gerade bei der Bio-Gurke haben sich verschiedene Alternativen, wie Banderolen oder Aufkleber nicht durchgesetzt. [4]
  • Verpackungen dienen der Vermarktung von Produkten, um die Aufmerksamkeit des Konsumenten zu gewinnen sind sie häufig größer als nötig. [5]

Ob nun bald ein neues Verpackungsgesetz erscheint und die Recyclingquote erhöht wird oder nicht - dies kann nur ein Teil der Veränderung sein. Für mich ergibt sich daraus vor allem eine Erkenntnis und die heißt: Abfall vermeiden. Ich möchte hier aber auf keinen Fall den Eindruck erwecken, dass ich plastikfrei lebe, oh nein, weit gefehlt! Aber ich taste mich langsam voran und den Anfang macht eine kritische Begutachtung des Putzmittelsortiments...

Quellen:


  1. http://www.umweltbundesamt.de/daten/abfall-kreislaufwirtschaft/entsorgung-verwertung-ausgewaehlter-abfallarten/kunststoffabfaelle ↩︎ ↩︎

  2. http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/probleme-beim-recycling-wettkampf-um-den-muell-1.1975245 ↩︎

  3. http://www.magazin-restkultur.de/fuenf-fragen-an-peter-meiwald/ ↩︎

  4. http://www.br.de/radio/bayern1/inhalt/experten-tipps/umweltkommissar/gurke-bio-plastik-verpackung-umwelt-100.html ↩︎

  5. http://www.magazin-restkultur.de/verpackungsabfall-in-deutschland-laeuft-was-gewaltig-schief/ ↩︎