Lieselotte - Wahrheitssuche im Bücherlabyrinth.

Was habe ich mit meinem eBook-Reader - nachfolgend Lieselotte genannt - nicht schon alles erlebt! Wir waren auf Abenteuerreisen und sind durch Fantasywelten gegondelt, wir haben mit russischen Poeten geweint und mit Amerikanischen gelacht, waren auf einem Boot mit Tiger unterwegs und auf einem Schiff in der Antarktis. Mit Lieselotte verbinde ich unzählige Geschichten und eine rationale Frage: wer ist eigentlich umweltfreundlicher? eBook-Reader oder gedrucktes Buch?

Das Problem: es ist nicht so einfach. Denn um diese Frage zu beantworten muss man verschiedenste Teilbereiche unter die Lupe nehmen... von der Gewinnung der Rohstoffe über die Produktion bis zum Transport nach Hause und noch mindestens 1000 andere Kleinigkeiten! Hier der Versuch einer Kurzversion.

Beim eBook-Reader geht es zum Beispiel um seltene Erden (Kupfer, Silber, Gold, Palladium), die gewonnen werden müssen. Mögliche negative ökologische und moralische Aspekte bei der Rohstoffgewinnung und Produktion: Schwermetall-Freisetzung im Boden, Freisetzung von Giften bei der Herstellung, Kinderarbeit, vorindustrielle Arbeitsbedingungen. Dazu kommt ein hoher Wasserverbrauch für die Herstellung von Batterie und Leiterplatten.[1] Außerdem benötigt das eBook weitaus mehr Energie bei der Produktion, die in Asien hauptsächlich in Form von Kohle oder Öl daherkommt.

Demgegenüber steht das gedruckte Buch mit einer schwindenden Biodiversität durch Monokulturen, illegaler Holzeinschlag, Kahlschlag, Urwaldvernichtung, das Gelangen organischer Kohlenstoffe ins Abwasser. Dafür braucht es kaum Mineralien und kaum Wasser und Energie für die Herstellung. Papier ist also bei der Rohstoffgewinnung und in der Produktion deutlich umweltfreundlicher als der eBook-Reader.[2] "Die Umweltauswirkungen bei Büchern aus Recyclingpapier liegen nur leicht unter denen aus Frischfaserpapier" [3], das macht also nur einen geringen Unterschied.

Die Vorteile des eBook-Readers kommen erst später zum Vorschein,

denn er hat sehr geringe Umweltauswirkungen, wenn man ihn erst mal in den Händen hält und über mehrere Jahre nutzt. Vor allem wenn er auch noch ein stromsparendes eInk-Display hat, das ohne Hintergrundbeleuchtung auskommt und nur beim Umblättern Strom verbraucht.[3:1] Ein Buch hingegen hat man innerhalb eines gewissen Zeitraumes ausgelesen, man verleiht es vielleicht noch an Freunde, aber dann stehen sie oft über Jahrzehnte ungenutzt im Bücherregal.

Beim Papierbuch gibt es aber noch einige andere Variablen zu beachten. Lässt man sich das Buch nach Hause liefern? Oder kauft man es gar nicht, sondern leiht es sich in einer Bibliothek aus? Fährt man mit dem Rad oder mit dem Auto zum Bücherladen? "Die Umweltauswirkungen von Kraftstoffen sind so hoch, dass sie leicht den gesamten Herstellungsaufwand eines Buches übertreffen können."[2:1] Puh, da gibt es wirklich viel zu bedenken...

Das Öko-Institut kommt in einer umfassenden Studie zu dem Schluss, dass "sowohl E-Book-Reader mit eInk-Display als auch Lesegeräte mit LCD-Bildschirm [...] bei durchschnittlicher Nutzung (10 Bücher pro Jahr) Vorteile beim Energieverbrauch und den Treibhausgasemissionen gegenüber herkömmliche[n] Büchern auf[weisen]. Am stärksten ausgeprägt sind diese Vorteile bei E-Book-Readern mit eInk-Displays. Insgesamt findet ein Großteil der Umweltauswirkungen in der Herstellungsphase statt, sodass eine möglichst lange Nutzungsdauer der Geräte entscheidend für die Gesamtbilanz ist." [3:2]

eBook-Reader machen also erst Sinn je länger und je mehr man mit ihnen liest.

Dr.-Ing. René Scheumann vom Institut für Technischen Umweltschutz der TU Berlin sagt hierzu: "Angesichts des Treibhauspotenzials lohnt sich ein E-Book-Reader im direkten Vergleich zum Taschenbuch erst ab dem Lesen von 64 E-Books, um die Emissionen der Herstellung zu kompensieren. Bei einer Anzahl von circa acht Büchern, die durchschnittlich pro Jahr in Deutschland gelesen werden, sollte das Gerät also mindestens acht Jahre genutzt werden."[4]

Mit 113 Büchern, die ich in den letzten 4 Jahren auf meinem eBook-Reader gelesen habe hat sich der Kauf also schon rentiert, puh Glück gehabt! Denn mir war all dies vorher gar nicht bewusst und überhaupt wollte ich eigentlich weiterhin meine Papierbücher lesen!

Mittlerweile sehe ich aber nur noch die grandiosen Vorteile von Lieselotte:

  1. So leicht - kein Schleppen mehr von A nach B
  2. So handlich - mit einer Hand lesen, gibt nichts Besseres
  3. Einfach und jederzeit Bücher runterladen
  4. Integriertes Dictionary
  5. Keine riesigen Bücherumzugskisten mehr schleppen!

Nachteil:
Ich kann die oft so schön gestalteten Buchcover gar nicht mehr ansehen und bewundern. Deshalb habe ich mir ein Poster mit meinen Lieblingsbüchern der letzten Jahre gebastelt und eingerahmt. ♥

Summa summarum:

Die Umweltverträglichkeit von eBook-Readern und Papierbüchern hängt von jeder Menge Details ab: wie viele Bücher lese ich, welches Gerät will ich dafür benutzen (Tablet, Reader mit eInk-Display), wie lange werde ich es verwende (hole ich mir nach 1,5 Jahren das Nachfolgermodell?), auf welchem Transportweg kommt das Buch zu mir und noch einiges mehr. Und man darf nicht vergessen, dass sich die Gewinnung der Rohstoffe, die Produktionsbedingungen und der Transport jederzeit verändern kann, da heißt es dranbleiben.

Ich hoffe auf jeden Fall sehr, dass meine Lieselotte noch lange mit mir in die Welt der Literatur abtaucht und bald eine Online-Buchflat auf den Markt kommt, denn was bei Musik funktioniert, sollte doch auch für Bücher möglich sein...

Hilfreiche Quellen:


  1. (http://www.wiwo.de/technologie/green/living/frage-der-woche-e-book-oder-papierbuch-was-ist-umweltfreundlicher/13546354.html) ↩︎

  2. (https://www.verlagsherstellung.de/fileadmin/fbmedien_bmp/downloads/Abschlussarbeiten/Gruener_lesen_UlrikeWilke_MMM12.pdf) ↩︎ ↩︎

  3. (https://www.oeko.de/oekodoc/1179/2011-037-de.pdf) ↩︎ ↩︎ ↩︎

  4. (http://trenntmagazin.de/getrennt-befragt-immer-mehr-papier-wird-durch-e-books-gespart-ist-das-eigentlich-okologisch-sinnvoll/) ↩︎